Autor: Lara

Unser Permakultur Garten

Zwei Monate sind wir durch England gereist und durften inspirierende Menschen und tolle Projekte kennen lernen. Satt an Inspiration und voller Tatendrang machten wir uns auf den Weg nach Hause, um uns in unsere eigenen Projekte zu stürzen und damit unseren Teil zu einer besseren Welt beizutragen.

Leider machte es uns eine heftige Virusinfektion unmöglich, die Projekte und Reisen, die wir vor hatten umzusetzen. Eigentlich wollten wir viel länger in England bleiben und von dort aus unseren Bus nach Australien verschiffen, um dort mindestens zwei Jahre zu Reisen und Arbeiten. Doch nach Monaten ohne wirkliche Besserung, mussten wir von unseren Plänen absehen und uns in Deutschland, mit der Unterstützung von Freunden und Familie um unsere Gesundheit kümmern. Doch nur im Bett liegen und Nichts tun, bekam uns auch nicht sonderlich gut. Wir brauchten etwas für die Seele, etwas was uns zur Ruhe bringt, mit der Natur verbindet und am besten auch noch in Gemeinschaft passiert.

So kamen wir dazu einen Permakultur Garten, auf dem Grundstück von Julians Mutter (auf dem wir immer stehen, wenn wir in Deutschland sind) anzulegen. Da unser Energielevel zu der Zeit aber noch ganz schön im Keller war, mussten wir uns Unterstützung hohlen.

Unter dem Namen „Gemeinsam Gärtnern“ luden wir jeden ein, der Lust hat in der Erde zu buddeln, Gemüse zu pflanzen oder Holz zu hacken und danach erschöpft und zufrieden am Lagerfeuer zu sitzen und in den Sternenhimmel zu schauen.

 

 

 

Bei dem Anlegen des Gartens haben wir uns an den Prinzipien der Permakultur orientiert, die wir das erste mal vor 8 Jahren in Australien kennen gelernt haben.

Permakultur ist eine besonders naturnahe und umwelt- und ressourcenschonende Art des Gärtnerns. Außerdem ist der enstandene Garten sehr pflegeleicht, was gerade für uns, da wir immer wieder für längere Zeit verreisen ideal ist. Die Permakultur überlässt viel Arbeit der Natur und der Mensch hat nur einen minimalen Aufwand. Es geht viel mehr darum die Natur zu beobachten und effektiv nachzuahmen.

Da die Permakultur ein ganzheitliches Prinzip ist kann und sollte sie auf alle Bereiche des menschlichen Wirkens angewandt werden, z.B. im Garten, in Gemeinschaften, in Betrieb und Schule, im eigenen Alltag,in der Landwirtschaft und Städten.

Im Laufe des Projekts haben wir uns immer wieder  die Frage gestellt: „Wie können wir ein gutes Leben führen, während wir in einem System leben, das auf der Ausbeutung von Menschen, Tieren, der Natur und der zunehmenden Häufigkeit von Umweltkatastrophen basiert?“ 
Eigentlich ist die Antwort ganz einfach: Man muss das System ändern. Natürlich ist dies nicht ganz so einfach und vor Allem braucht es Zeit. Aber wenn wir wollen, dass eine Veränderung eintritt, müssen wir als Einzelpersonen zusammenhalten. Wir können nicht darauf warten, dass sich das System von ganz alleine ändert, das wird nicht passieren.

Außerdem haben wir gemerkt, dass Selbstversorgung für uns keine Option ist. Es ist eine viel zu große Herausforderung, an der viele Menschen scheitern. Selbstversorgung bedeutet  das ganze Jahr über mindestens 12 Stunden am Tag zu arbeiten und seine Ziele doch nicht zu erreichen (außer man ernährt sich sehr einseitig, was keine wirklich langfristige Option ist). Außerdem verliert man sich langsam aber sicher in Einsamkeit, weil man keine Zeit mehr hat, soziale Kontakte zu pflegen. 
Also warum alles selbst machen und alles selbst besitzen, wenn man die Freuden des Überflusses mit seinen Freunden und der Gemeinschaft teilen könnte. Wir finden die Idee der „Gemeinschafts-Versorgung“ deutlich attraktiver. Es bedeutet, dass sich eine ganze Reihe von Menschen gegenseitig unterstützt und zusammenarbeitet, damit sich alle entfalten können, was zu einem sozialeren und widerstandsfähigeren Leben für alle führt.

Unser kleines Garten Projekt war für uns der erste Schritt in diese Richtung und hat unsere Erwartungen mehr als übertroffen. Es kamen so viele verschiedene Leute zusammen und am Ende wurden aus einem Wochenende zehn und zu dem ca 80 Quadratmeter großen Gemüsegarten haben wir noch eine Obstbaumwiese, mit 15 verschiedenen Obstbäumen und Beerensträuchern angelegt. Auch wenn wir uns gerade nicht vorstellen können langfristig in Deutschland zu Leben, einfach weil wir das Meer zu sehr lieben ( jetzt komm mir nicht mit Nordsee), war es all die Arbeit wert. Wir haben so viel gelernt, voneinander und miteinander und dieser Garten wird immer bleiben – für Alle.

Totnes : Proud to be different

Der letzte Stop unserer Reise durch England, war Totnes.

Totnes ist eine Stadt von gut 8000 EinwohnerInnen in der südwestenglischen Grafschaft Devon.

Heute ist Totnes vor allem bekannt als wunderschön gelegene Stadt, am Rande eines Naturparks, und dem Dart River. Außerdem hat diese eher eigensinnige kleine Stadt eine große alternativen Szene, voller Künstler, Freigeistern und Menschen die sich für die Umwelt und ein ganzheitliches Leben engagieren. Seit 2006 ist Totnes Ursprung und Zentrum der internationalen Transition-Bewegung.

Totnes war das erste Transition Town – und hier wird die damit verbundene Vision wohl auch heute noch am deutlichsten sichtbar. Gerade deshalb gilt es mittlerweile auch als touristisch bedeutsame Pilgerstätte, in der Transition-Führungen und -Workshops angeboten werden, aber auch als Ort, wo zentrale Institutionen der Bewegung ihren Sitz haben. Hier werden laufend neue Ideen und Ziele der Bewegung diskutiert und ausprobiert.

 

Wir durften einige Menschen, die in Totnes leben näher kennen lernen und mussten immer wieder feststellen, wie erfrischend und motivierend es ist, mit ihnen zu sprechen und Zeit zu verbringen. Einfach weil sie den Mut und die Kreativität haben Dinge sichtbar anders (aus unseren Augen besser) zu machen als üblich.

Sie organisieren Workshops zum Hausbau aus Lehm und Strohballen. Sie drucken „Totnes Pounds“ als lokale Währung. Sie bereichern den öffentlichen Nahverkehr mit Lastenrädern und Rikschas mit Elektromotoren. Sie pflanzen in jeder Grünfläche der Stadt Obst und Gemüse an, reparieren ehrenamtlich Fahrräder und noch vieles mehr. Und was das Schönste an all dem ist: Sie sind „Proud to be different“

Wir werden hier nicht wie bei den anderen Orten die wir besucht haben, nachhaltige Einkaufsmöglichkeiten, Projekte und Restaurants empfehlen. Weil sie in Totnes existieren, so weit das Auge reicht. Die Vielzahl der Projekte und Menschen die sich engagieren haben das Ergebnis, ein besseres Umfeld mit weniger Stress, weniger Eile, besserer Nahrung, besserer Gesundheit, mehr Gemeinschaft und mehr Gleichheit zu schaffen.

Wir hoffen wirklich sehr, dass es bald noch viel mehr Städte wie Totnes geben wird!

Mount Pleasant Eco Park

 

 

Nach über einer Woche, die wir in Stroud, (Englands wohl bekanntesten Ort für alternative Heilmethoden) verbracht haben, um neue Kräfte zu sammeln, trieb es uns wieder zurück ans Meer. Wir erkundeten einige Wochen die wunderschöne Küste von Nord-Devon und Cornwall. Da wir zusätzlich zum sonnigen Wetter auch noch richtig Glück mit den Wellen hatten, waren wir eigentlich jeden Tag surfen. Wiedererwartend stellte sich die Westküste England’s für uns als Surferparadies heraus. Das Wasser ist kristallklar, das Line-Up selten überfüllt und ich hatte die bisher besten Longboard Wellen meines Lebens.

 

 

Mit dem immer stärker werdenden Wind und die damit verbundenen, schlechten Bedingungen trieb es auch uns weiter zu unserem nächsten Projekt, dem Mount Pleasent Eco Park. Bevor wir dieses Projekt genauer vorstellen, wollen wir euch erstmal die Geschichte von Tim Stirrup, dem Gründer des Eco Parks erzählen.

 

 

Tim’s Weg in ein freies, selbstbestimmtes und respektvolles Leben fing nämlich ganz ähnlich an wie unseres. Vor gut 30 Jahren reiste er mit seiner Freundin in einem selbst umgebauten, alten amerikanischen Schulbus durch Europa, entdeckte neue, spannende Orte und machte Musik. Um sich auf Festivals etwas dazuzuverdienen, baute er den Bus so um, dass er autark (durch Solarenergie) als mobile „DJ Bühne“ zu nutzen war. Auch später mit zwei Kindern reisten sie weiter durchs Land. Doch als die Kinder allmählich größer wurden und ihren privaten Bereich brauchten, ließ sich die Familie in Cornwall nieder. Dort baute Tim für seine beiden Kinder die erste Cabin. Für den Bau nutzte er nur regionale und ökologische Materialien, was schon bald die Aufmerksamkeit vieler Leute erweckte. Tim wurde immer häufiger von Menschen angesprochen, die das gleiche oder ein ähnliches Gebäude auf ihrem Grundstück haben wollten. Mit der Zeit wurden die Anfragen immer mehr, die Aufträge immer größer und der Platz auf seinem Grundstück reichte schon lange nicht mehr aus.

 

Tim’s alter Bus steht heute immer noch auf dem Grundstück des Eco Parks.

 

Nach der Gründung von dem Umweltbauunternehmen Pioneer EBC, begab sich Tim auf die Suche nach einem geeignetem Grundstück und entdeckte an Cornwalls wunderschöner Nordküste, den Mount Pleasant und die 42 Hektar große Kartoffelfarm, welche zum Verkauf stand. Dieses Grundstück umfasst den gesamten Hügel, von dem aus man sogar das Meer sehen kann. Tim wusste vom ersten Tag an, dass dieses Grundstück perfekt für seine Projekte und Visionen war, doch bis zu dessen Verwirklichung brauchte es jede Menge Arbeit.

Als sie 2001 die Farm übernahmen, war sie sehr baufällig; Die Gebäude waren größtenteils eingestürzt, und das Land war durch 37 Jahre intensive Monokultur erschöpft. Tim’s Ziel war es, dem Land wieder Leben einzuhauchen und eine Gemeinschaft von Menschen zu bilden, die sich positiv auf das Gebiet auswirken, indem sie einen inspirierenden Arbeitsbereich für lokale und nachhaltig schaffende Unternehmen bieten. Die Renaturalisierung des gesamten Geländes war der erste Schritt, zusammen mit der Anpflanzung von tausenden von einheimischen Bäumen und die Bepflanzung von Wiesen mit Wildblumen. Diese bepflanzten Flächen werden zusammen mit dem als SSSI eingetragenen Tal, das an Mount Pleasant angrenzt, einen reichhaltigen Lebensraum für die örtliche Tierwelt bieten, darunter Mäusebussarde, Füchse und sogar gelegentlich Rehe.

In den letzten 20 Jahren haben immer mehr Menschen den Weg zum Mount Pleasant Eco Park gefunden und verwirklichen dort ihre Träume und Visionen und bereichern gleichzeitig die Gemeinschaft und den Ort mit ihrer Arbeit. Mittlerweile gibt es auf dem Gelände diverse Unternehmen, Werkstätten und Ateliers, die in den mit lokalen und ökologischen Materialien gebauten Gebäuden untergebracht sind. Das gemeinschaftlich gebaute Lehmhaus ist eine der größten tragenden Stampflehmkonstruktionen im Vereinigten Königreich. Doch nicht nur die Bauten sind nachhaltig.

 

 

Die Anstrengungen, die unternommen wurden, um den Park so umweltfreundlich wie möglich zu gestalten, sind ziemlich beeindruckend. Das Team will den CO2-Fußabdruck des Parks so gering wie möglich halten.

Der Strom wird von einer auf dem Gelände befindlichen Windturbine erzeugt. Sie produziert 30 % des Stroms, weitere 20 % werden von 4 kW-Photovoltaikanlagen erzeugt.

2018 investierte das Team in sein erstes Eco Park-Elektroauto und im selben Jahr beschlossen sie auch, sich von der Wasserversorgung abzuwenden und ein Bohrloch zu graben, das täglich 10 000 Liter Wasser liefern kann.

Geheizt wird in den Geschäftsräumen mit einem Biomassekessel. Tim´s Firma Pioneer EBC, ist auf dem Gelände ansässig und spendet sein gesamtes Abfallholz, um alle im Winter warm zu halten.

 

 

Angrenzend an die Werkstätten gibt es einen großen Gemeinschaftsgarten, der ökologische Anbauflächen für die örtliche Bevölkerung bietet. Die Wilder Allotment Kitchen, ein veganes Café, das sich auf lokale, gesunde Lebensmittel spezialisiert hat, läd zum verweilen ein und versorgt alle freiwilligen Helfer mit gutem Essen. Durch all diese Projekte hat sich der Park zu einer flexiblen, einfallsreichen Gemeinschaftseinrichtung entwickelt. Doch die Vorzüge und Freuden dieser Gemeinschaft sollen Interessierten keines falls vorenthalten werden. Deshalb gibt es immer wieder Veranstaltungen wie Märkte, Konzerte und Festivals zu denen jeder eingeladen ist. Außerdem gibt es einen Öko-Camping-Platz , auf dem man im Zelt oder Van übernachten kann. Für mehr Comfort gibt es diverse ökologische Übernachtungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel Cabins, Schäferhütten und Öko-Pods, die von Pioneer EBC gebaut wurden.

Der Platz ist auf einem riesigen Feld gelegen, umgeben von Natur, mit Ausblick auf’s Meer und mit einem Fußweg zum Strand. Perfekt um dem Alltag zu entfliehen und in die freie Natur einzutauchen.

 

 

 

Das jüngste Projekt auf dem Mount Pleasant ist „Community Roots“,

ein Team von Freiwilligen, die einen Hektar kahles Land in eine schöne, produktive, naturfreundliche Gärtnerei verwandelt haben, die köstliche Lebensmittel für die lokale Gemeinschaft produziert.

Der Gemüsegarten wird mit dem Leitfaden der solidarischen Landwirtschaft bewirtschaftet. Bei Solidarischer Landwirtschaft werden die Lebensmittel nicht mehr über Märkte oder Läden vertrieben, sondern fließen in einen eigenen, durchschaubaren Wirtschaftskreislauf, der von den Verbraucher*innen mit organisiert und finanziert wird.

Das Team von Community Roots versorgt wöchentlich 30 Haushalte mit frischem, ökologischem Gemüse und möchte von Jahr zu Jahr mehr Menschen versorgen oder aber motivieren ihr eigenes Gemüse anzubauen.

 

 

Wir haben die Zeit auf und um das Gelände des Mount Pleasant Eco Park´s sehr genossen. Wir sind inspiriert worden, mit offenen Armen empfangen worden und sind gespannt was das Team mit und um Tim Styrrup in der Zukunft noch alles erschaffen wird.

Für mehr Informationen und aktuelle Projekte, hier die Internetseite vom Eco Park

www.mpecopark.co.uk

 

Ps.: Wer nicht in Corwall lebt, oder nur auf der Durchreise ist, kann in dem wunderbaren Hofladen der Cusgarne Farm einkaufen. Die Bio-Farm ist nur 10 Min. vom Eco Park entfernt und bewirtschaftet 100 Hektar Land im Herzen von Cornwall und produziert jede Menge Gemüse, Obst, Milchprodukte und Wein.

 

Transition Stroud

 

Stroud ist eine Kleinstadt im südwestenglischen Gloucestershire. Die Landschaft in dieser Region ist so englisch wie es nur geht. Grasbewachsene Hügel, alte Burgen, idyllische Seen und Wälder, deren Boden über und über Bärlauch und Bluebells bewachsen sind.

 

 

Zusätzlich zu der außerordentlichen, natürlichen Schönheit hat Stroud eine sehr ausgeprägte alternative und auch auch nachhaltige Szene. Es gibt eine Reihe an Garten und Permakulturprojekten, freie Schulen, sowie Rudolf-Steiner Schulen, Waldkindergärten, Anthroposophische Medizin und andere alternative Heilmethoden und Therapien.

 

 

 

Den meisten Bewohnern der englischen Kleinstadt liegt die Natur und die Zukunft ihrer Kinder sehr am Herzen, daraus entstehen immer wieder neue Initiativen und Projekte, auch im Rahmen der Transition Town Bewegung.

Stroud ist seit 2007 ein Transition Town.

Die Transition-Town-Bewegung (etwa „Stadt im Wandel“) versucht, ein Netzwerk für nachhaltige Veränderungen zu schaffen, um einen kohlenstoffarmen Lebensstil zu erreichen. Seit 2006 gestalten Umwelt- und Nachhaltigkeitsinitiativen in vielen Städten und Gemeinden der Welt den geplanten Übergang in eine postfossile, relokalisierte Wirtschaft.Hierzu gehören u.a. Maßnahmen zur Verbrauchsreduktion von fossilen Energieträgern sowie zur Stärkung der Regional- und Lokalwirtschaft. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch die Gestaltungsprinzipien der Permakultur, die es insbesondere landwirtschaftlichen, aber auch gesellschaftlichen Systemen ermöglichen sollen, ähnlich effizient und resilient zu funktionieren wie natürliche Ökosysteme. Initiiert wurde die Bewegung u.a. von dem irischen Permakulturalisten Rob Hopkins und Studenten des Kinsale Further Education College in Kinsale, Irland.

Inzwischen gibt es weltweit über 1000 Transition-Initiativen.

Transition Stroud arbeitet mit Hilfe von Aktionsgruppen, die sich auf Bereiche wie Verkehr, Lebensmittel, Wiederverwendung und Reparatur sowie die Reduzierung von Kohlenstoff konzentrieren.

Vor dem Hintergrund des klimatischen und ökologischen Notstands basiert die Transition Stroud-Strategie auf der Vision, dass der Bezirk Stroud bis 2030 kohlenstoffneutral und die lokalen Gemeinden widerstandsfähig sein werden.

Dies ist mit großen Herausforderungen verbunden, könnte aber auch viele Vorteile mit sich bringen: eine sicherere Zukunft, sauberere Luft, komfortablere Gebäude und Wohnungen, eine bessere Versorgung mit lokalen Lebensmitteln, eine natürliche Umwelt und damit einhergehende Widerstandsfähigkeit gegen Unwetter.

Um dies zu erreichen, wurden in Stroud und Umgebung 11 verschiedene Initiativen ins Leben gerufen, darunter das Repair Café, die Plastic Action Group, Edible Stroud, Workshops zum Klimawandel und Filmabende.

 

 

 

Jeden Samstag von 09:00 bis 14:00 Uhr bilden der Cornhill Market Place und seine sich kreuzenden Straßen die Kulisse für einen der besten Bauernmärkte Großbritanniens. Hier wird wirklich jeder fündig. Es gibt regionalen Käse, Eier, Obst Gemüse und Wein, hochwertiges Kunsthandwerk, veganes und vegetarisches Essen sowie handgemachte Seifen und Kerzen.

Wer es nicht zum Farmers Market schafft, kann im Four Seasons in der 5 Threadneedle St, frisches biologisches Gemüse kaufen.

 

 

Außerdem gibt es in der 33 High St, einen Uverpacktladen mit dem Namen „Loose“. Dort gibt es neben unverpackten Lebensmitteln, biologische Seifen, Haushaltswaren, handgetöpferte Keramik und Kosmetikartikel.

Für ein leckeres, gesundes Frühstück oder Mittagessen können wir Woodruffs empfehlen. Das gemütliche Cafe in der 24 High St. bietet eine Reihe vegane und vegetarische Gerichte sowie Kuchen an, alles biologisch und hausgemacht.

 

Brighton und Umgebung

 

 

Nachdem wir die Autofähre von Calais nach Dover genommen haben, machten wir uns ziemlich zügig auf den Weg nach Brighton.

Wir haben schon viel über die Künstlerstadt am Meer gehört und uns einige spannende Projekte, die wir besuchen wollen herausgesucht. Außerdem haben wir die besten veganen Restaurants getestet und Läden, sowie Märkte ausgecheckt, wo man bio, lokal und sogar unverpackt einkaufen kann.

Das erste Projekt, welches wir uns angeschaut haben ist Stanmer Organics. Stanmer Organics wurde 1997 als genossenschaftliches Konsortium gegründet. Und unterstützt seitdem Projekte, die Gesundheit, Wohlbefinden, Bildung und einen grüneren, nachhaltigeren Lebensstil fördern.

 

 

 

 

Derzeit gibt es 15 Projekte vor Ort, von denen mehr als die Hälfte auf Gartenbau ausgerichtet sind. Außerdem gibt es ein Ökotherapieprojekt, eine Waldschule, Projekte im Bereich Kunst und Handwerk und ein Earthship.

Das Earthship Brighton ist eines von nur zwei Earthships im Vereinigten Königreich. Die Ziele mit dem Bau dieses nachhaltigen Gemeinde-zentrums, waren einen Wertewandel in der Bauindustrie herbeizuführen und Einzelpersonen zu positivem Handeln zu inspirieren, um einen ökologischen Wandel herbeizuführen. Während des gesamten Projekts lag der Fokus auf der Aufklärung über den Klimawandel und auf der Unterstützung von Menschen bei der Änderung ihres Verhaltens, um mit einem geringeren ökologischen-Fußabdruck zu leben.

Der US-Amerikaner Michael Reynolds entwickelte das Gebäudekonzept „Earthship“ vor 40 Jahren, seitdem hilft er beim Bau solcher Gebäude auf der ganzen Welt, so auch bei dem Bau des Earthships in Brighton. Das preisgekrönte „grüne Gebäude“ wurde aus lokal verfügbaren, natürlichen, recycelten oder upgecycelten Baumaterialien wie zum Beispiel Autoreifen und Glasflaschen gebaut.

Das lehmverputzte Gebäude wird passiv durch Solarwärme geheizt, die alten Autoreifen sind in den Wänden verbaut. Aufgeschichtet und mit Lehm gefüllt dienen sie als wärme Speicher. Frischluft wird durch Rohre im Erdwall geleitet und dabei vorgewärmt. Dieses komplexe System ersetzt eine klassische Heizung.

Solar Anlagen und Windräder erzeugen den benötigten Strom, der in Batterien gespeichert. Die südliche Fassade des Earthships ist vollständig verglast und dient so als Gewächshaus. Die dort angebauten Pflanzen werden mit gefiltertem „Abwasser“ bewässert. Earthships sind durch diese geschlossenen Energie- und Versorgungskreisläufe, sehr nachhaltige und zukunftsweisende Bauwerke.

 

 

Earthship Brighton

 

 

Direkt neben dem Gelände von Stanmer Organics, befindet sich One Garden, ein Gartenprojekt des Stanmer Estate. Rund um die alten Herrenhäuser befinden sich Ziergärten, riesige Gewächshäuser und ummauerte Obstwiesen. Der Ort lädt nicht nur zum spazieren und entdecken ein, man kann im kleinen Farm Shop auch noch allerlei lokale und biologische Lebensmittel kaufen. Nach dem Einkauf sollte man unbedingt in mitten all der Pflanzen einen Tee und ein Stück der selbstgebackenen Kuchen genießen.

 

 

One Garden Brighton

 

Wer beim einkaufen gerne eine größere Auswahl hat und nicht allzu viel zahlen möchte wie im Shop von One Garden, sollte den Park Farm Shop in der Park St, in Falmer, Brighton ausprobieren, hier gibt es Alles was man braucht.

Park Farm Shop

 

Für diejenigen, die mit dem Van oder Zelt unterwegs sind und nach einem trubeligen Tag in Brighton gerne etwas Ruhe haben, empfehlen wir Chalky downs campsite. Eine große Campingwiese mit wunderschönem Ausblick, direkt neben der Farm, wo Sharon mit ihrer Familie lebt. Der Platz hat warme Duschen, Toiletten und Feuerstellen und kostet 15 Pfund Pro Person die Nacht. Von dort aus ist man mit dem Bus in 20 Minuten in Brightons Innenstadt.

Chalky Downs Campsite

 

Brighton hat unglaublich viele vegetarische und vegane Restaurants und Cafés, was uns natürlich sehr freute. Zwei wirklich sehr empfehlenswerte befinden sich in dem bekannten Viertel The Lanes. Zum einen das Terre a Terre, in der 71 East Street. Das Essen war wirklich unglaublich gut und definitiv das Geld wert!

Zum Frühstück oder Lunch ist das Neighbourhood in der 95 Gloucester Rd perfekt. Man kann entspannt draußen auf der Terrasse sitzen und das Getummel der Stadt beobachten.

 

 

Der Farmers Market in Brighton findet jeden Samstag von 9:30 bis 13:30, an der Ecke Florence Road und Southdown Avenue statt und begeistert mit zahlreichen kleinen Ständen von lokalen Produzenten. Wer zusätzlich noch gerne seine Vorräte in einem der vielen Unverpacktläden in Brighton auffüllen möchte, kann dies am besten bei The Source Bulk Foods in der 142 Western Road machen.

Wir haben etwas über eine Woche in Brighton und Umgebung verbracht und die Vielzahl der nachhaltigen Initiativen, Gärten und Projekte hat uns begeistert. Sehr viele Menschen in Brighton sind motiviert, nachhaltiger zu Leben und auch andere Menschen für einen ökologischeren Lebensstil zu inspirieren. Dies macht sich natürlich im Stadtbild durch all die tollen, veganen Cafés und lokalen, sowie biologischen Einkaufsmöglichkeiten bemerkbar.

England- Auf der Suche nach Lösungen

Wir gehen schon seit einigen Jahren die drängendsten Umweltprobleme unseres Planeten an und versuchen damit so gut es geht eine lebenswerte Zukunft für Alle zu gestalten. Immer wieder veranstalten wir Beach-clean-ups, setzen uns aktiv für Meeresschutz ein und sammeln Spendengelder. Leider bekommen wir häufig das Gefühl, dass zu wenig gegen den Klimawandel unternommen wird und das kann ganz schön frustrierend sein und wenn man frustriert ist, fällt es einem viel schwerer sich zu engagieren.

Deshalb haben wir uns dazu entschlossen die Probleme anders anzugehen.

Anstatt mit dem Finger auf andere zu zeigen oder ihnen die Schuld zu geben, wollen wir lieber nach Lösungen suchen.

Wir wollen uns auf die Reise machen, um diejenigen Menschen zu finden, die bereits erfolgreich nachhaltige Projekte initiiert haben und damit zu einer besseren Zukunft beitragen.

Zu erst soll unsere Reise nach Großbritannien gehen. Wir haben von vielen spannenden Initiativen gelesen, die ökologisch handeln, leben und wirtschaften. Genau diese wollen wir besuchen und auf unserem Blog und sozialen Medien über sie berichten.

Dadurch wollen wir noch mehr Menschen inspirieren, ermutigen und ebenfalls zum Handeln bewegen.

Denn jeder Einzelne von uns kann einen Unterschied machen und zusammen genommen kann eine ganze Bewegung daraus werden.

Unsere Vision ist es, ein Heer von Freiwilligen zusammen zu bringen, die zum Schutz der Umwelt beitragen. Die Mission ist, die Artenvielfalt zu verteidigen, die Zerstörung von Ökosystemen zu beenden, gemeinsam etwas Positives zu tun und dabei eine tolle Zeit zu haben.

Cankuna Sunshine Collective

Die letzten Monate waren mal wieder sehr herausfordernd für uns. Nichts verlief wie geplant und eine Hiobsbotschaft folgte auf die Andere. Wir brauchten nach dieser Kräfte zehrenden Zeit erst mal etwas Ruhe, alleine der Gedanke direkt mit unserer Reise zu beginnen war purer Stress. Also nahmen wir uns Zeit. Zeit für uns, in der wir über unsere Träume und Vorstellungen für die Zukunft nachdenken konnten und neue Pläne und Konzepte für unser Leben unterwegs geschmiedet haben.

Bisher haben wir immer mal wieder längere Reisen mit unserem Bus gemacht und sind dann zurück nach Deutschland gekommen, um für euch Camper zu bauen. Um in Zukunft auch unterwegs eine Mission zu haben, unseren Leidenschaften und Talenten nachgehen zu können und gleichzeitig etwas Gutes für Mutter Erde zu tun, haben wir das Cankuna Sunshine Collective gegründet. Mit diesem Projekt verwandeln wir unseren Bus in ein rollendes Atelier, Café und einen Store zugleich.

Ein weiteres Standbein, welches wir unter dem Cankuna Sunshine Collective gegründet haben ist ein kleines, unabhängiges Modelabel. Wir haben schon länger mit dem Gedanken gespielt Klamotten genau nach unseren Vorstellungen zu entwerfen. Also haben wir kurzen Prozess gemacht und in Zusammenarbeit mit einer dortmunder Siebdruck Werkstatt unsere erste Kollektion rausgebracht. Da uns die Umwelt sehr am Herzen liegt und wir denken, dass wir mit bewusstem Konsum und der bewussten Produktion von Konsumgütern viel verändern können, produzieren wir die Shirts und Hoodies möglichst nachhaltig.

Die Erstauflage ist auf 100 Shirts und Hoodies gedruckt, davon sind 50% Gebrauchtware, die wir in den letzten Monaten mühsam zusammengesammelt und ausgesucht haben. Wir glauben, dass Mode nicht immer neu produziert werden muss, stattdessen geben wir gebrauchten Stücken, welche wir auf unseren Reisen sammeln, durch Lara´s Kunst und Design’s ein neues Leben und schaffen somit eine noch nachhaltigere Alternative zu Fair Fashion Produkten. Die anderen 50 Shirts sind aus Fair gehandelter Bio-Baumwolle und Lagerbestände, welche nicht mehr verkauft werden konnten.

 Wirwollen zukünftig auf Märkten, Festen oder einfach am Strand stehen, wo auch immer wir gerade sind, einen inspirierenden Ort kreieren. Man kann durch Lara’s Illustrationen und Kunstartikel stöbern, ein cooles Shirt kaufen, einen leckeren Kaffee aus unserer Siebträgermaschine genießen, oder einfach nur ein nettes Gespräch führen.

Julian ist aktuell in der Planung von Workshops und Beratungen zu einem umweltfreundlichen Van Ausbau, alternativer Energiegewinnung und Ressourcen sparendem Reiseleben.

Um gleichzeitig die drängendsten Umweltprobleme unseres Planeten anzugehen, veranstalten wir Beach-clean-ups, Aktionen für den Meeresschutz, und versuchen ein Heer von Freiwilligen zusammen zu bringen, die zum Schutz der Umwelt beitragen. Die Mission ist, die Artenvielfalt zu verteidigen, die Zerstörung von Ökosystemen zu beenden, gemeinsam etwas Positives zu tun und dabei eine tolle Zeit zu haben. Zusätzlich wird ein Teil unsere Einnahmen an Umweltorganisationen gespendet, für die wir gleichzeitig werben.

Wir freuen uns sehr auf das neue Projekt und werden in den nächsten Beiträgen darüber berichten, wie es weiter geht.

Ein kurzer Rückblick

Wir wurden in den letzten Monaten immer wieder gefragt, wo wir sind, was wir machen und warum es keine aktuellen Blog-Beiträge gibt.

Das Jahr 2021 war ganz schön turbulent für uns. Schon zu Beginn hat uns die Nachricht, dass ein geliebtes Familienmitglied gestorben ist, den Boden unter den Füßen weggerissen. Wir haben uns nach einigem hin und her überlegen dazu entschlossen, die Reise zu pausieren und wieder zurück nach Deutschland zu fahren.

Dort verbrachten wir die Tage damit, die Beerdigung zu organisieren und uns um den Nachlass zu kümmern. Als wäre das nicht Alles schon schwer genug gewesen, wurden auch noch unsere Konten von Tag zu Tag leerer. Ans Reisen war erst mal nicht mehr zu denken.

Aber hey- in Deutschland stand der Sommer vor der Tür, für uns die ideale Zeit unsere Reisekasse wieder aufzufüllen.

Um auch anderen Abenteurern und Menschen die nach einer Alternative suchen, die Möglichkeit zu bieten, ihren Traum zu verwirklichen, haben wir vor ca. 2 Jahren das Projekt „Cankuna Campers“ ins Leben gerufen. Seitdem bauen wir (mal mehr und mal weniger regelmäßig) für, oder auch mit anderen Menschen Busse und Vans aus und können so unsere Erfahrungen weitergeben und die Ausbauten so nachhaltig wie möglich gestalten.

Immer wieder kamen Anfragen zu Solarumrüstungen und komplett Umbauten rein und wir waren schon nach kurzer Zeit für die nächsten 9 Monate ausgebucht.

Die Arbeit nahm gar kein Ende und unser Abreisedatum verschob sich immer weiter nach hinten.

Mittlerweile sind wir neben einem Auftrag, den wir gerade zu Ende bringen, dabei unsere nächste, große Reise zu planen. In etwa einer Woche soll es für uns erstmal nach England gehen. Durch Cornwall und Wales hangeln wir uns die Küste hoch, um dann nach Irland überzusetzen. Wir haben aufgehört uns genaue Ziele und Zeitrahmen zu setzten und reisen stattdessen einfach drauf los. Dennoch gibt es für uns den großen Traum mit unserem Bus nach Neuseeland und Australien zu reisen. Um diesen Traum war werden zu lassen, werden wir den Bus voraussichtlich Ende diesen Jahres nach Neuseeland verschiffen und so lange dort bleiben wie wir möchten.

Haifang: Vom Jäger zum Gejagten.

Bis vor kurzem dachte ich, dass grausame Geschäft mit den Haiflossen, spielt sich nur in Asien ab, doch auf unserer Reise wurden wir eines besseren belehrt. Als wir über den spanischen Fischmarkt in Pontevedra schlenderten, entdeckte ich an einer der vielen Theken Haifischfilet und war irritiert. Mir war nicht bewusst, dass es in Europe Menschen gibt, die freiwillig Haifleisch essen, da es doch bekanntlich mit Schwermetallen belastet und somit ungesund für den menschlichen Körper ist. Am meisten beschäftigte mich aber die Frage, wie es sein kann, dass auf einem spanischen Fischmarkt Haifischfilet zu einem enorm günstigen Preis angeboten wird, wo doch gleichzeitig der Bestand an Haien drastisch singt und viele Arten vor dem Aussterben bedroht sind. Also fing ich, noch am selben Tag an zu recherchieren und war erschüttert über das, was ich herausfand.

An der Atlantikküste Nordspaniens, in einer Stadt namens Vigo (nicht weit von dem Ort,an dem wir den Fischmarkt besuchten), befindet sich der Hauptumschlagsplatz für Haifang in Europa. Gefangen werden die Tiere, beispielsweise in ihren Rückzugs- und Leichgebieten um und vor den Azoren. Die Langleinenfischerei, mit der die Haie gefangen werden, ist eine der brutalsten Formen der Zerstörung unserer Meere. Die Leinen sind bis zu 300 Kilometer lang und pro 100 Kilometer mit 20 000 Haken versehen. Was gut vertuscht wird, aber eigentlich offensichtlich ist, ist das bei dieser Methode auch vorm aussterben bedrohte Arten, wie der weiße Hai, Hammerhaie und Schildkröten gefangen werden. Diese werden vorort Tod oder mit schweren Verletzungen wieder ins Meer geworfen.

Jährlich werden über 90 Millionen Haie getötet. Das sind über 190 Haie pro Minute. 30% davon unter spanischer Flagge!

 

 

 

 

Ein Milliardengeschäft, das kaum kontrolliert werden kann und das dazu geführt hat, dass allein in den letzten 100 Jahren je nach Gattung zwischen 90 und 99 Prozent der Tiere ausgerottet worden sind.

Die grössten Haifangnationen weltweit sind Indunesien, Indien, Spanien, Portugal und Japan. Die Haifischflossen werden hauptsächlich nach China verkauft und Hongkong, auch bekannt als „Shark Fin City“ ist dabei das Handelszentrum. Es ist ein sehr lukratives Geschäft, da die aus den Flossen gekochte Suppe, in China ein Statussymbol ist.  Eine einzelne Haifischflosse kann umgerechnet bis zu 1.000 Euro kosten, für einen Teller Haifischflossensuppe zahlt man rund 100 Euro. Das Haifleisch ist dagegen wertlos.

Da aber seit Juli 2013, in Europa alle gefangenen Haie mit allen Flossen am Körper an Land gebracht werden müssen, entsteht natürlich ein riesiger Berg an Haifleisch, den man loswerden muss.  Früher wurden die Tiere, beim sogenannten Finning, von den Fischern aus dem Meer gezogen, um ihnen die Flossen abzuschneiden, dabei waren sie meistens noch am Leben. Anschließend wurden die Tiere schwer verletzt und schwimmunfähig zurück ins Meer geworfen. Am Meeresgrund angekommen mussten sie einen unendlich qualvollen Tod erleiden, bei dem sie langsam und unter Schmerzen ersticken. Genau diese Shark Finning Methode wird in vielen Ländern weiterhin illegal und manchmal sogar legal praktiziert. Doch wer konsumiert in Europa diese Massen an Haifleisch, die durch das Finning-Verbot angelandet werden?

Die Antwort ist erschreckend: Wir Europäer selbst sind die Konsumenten, manchmal sogar ohne das wir es wissen. Deutschland importiert und konsumiert jährlich über 500 Tonnen Hai. Der Konsument kauft sie dann in Form von Haisteaks, geräucherten Schillerlocken, oder Dosenfisch.

Da der Hai in den Meeren am Ende der Nahrungskette steht, bis zu 90 Jahre alt wird und bevorzugt alte und kranke Tiere jagt, ist sein Fleisch so stark mit Methylquecksilber verseucht, dass der Verzehr eine ernste Bedrohung für die Gesundheit der Menschen darstellt.  Eine Portion Haifleisch von 250 Gramm, enthält 350 Milligramm Methylquecksilber. Die festgesetzte Höchstgrenze liegt bei 0,1 Milligramm Methylquecksilber pro Kilo Körpergewicht eines Menschen.Dieses Schwermetall kann irreparable Hirnschäden, Nierenversagen, Nervenschäden und ein erhöhtes Krebsrisiko verursachen, dazu hat es eine Halbwertszeit von 25 bis 30 Jahren im Körper. Somit reichert es sich bei jedem Konsum an. Dasselbe gilt auch für den Verzehr, anderer großer Raubfischarten wie Thunfisch, Schwertfisch und Heilbutt. Wer meint, dass Thunfisch nicht so schlimm ist, täuscht sich. Thunfisch ist genauso hoch mit Methylquecksilber belastet wie Hai.

Jedes dritte europäische Kind soll laut einer EU-Studie mittlerweile mit erhöhten Methylquecksilberwerten auf die Welt kommen. Da die Gefahr durch den Verzehr von großen Fischarten totgeschwiegen wird, gibt es immer noch eine große Nachfrage und dementsprechend auch einen lukrativen Markt. Die Lösung scheint erstmal ganz einfach, keinen Hai, keinen Schwertfisch, keinen Thunfisch essen, denn wo keine Nachfrage ist, ist auch kein Markt.

 

Wenn ihr euch aktiv für Haie einsetzen wollt, unterstützt die EU Bürgerinitiative „Stop Finning – Stop the Trade“ unter  https://eci.ec.europa.eu/012/public mit eurer Stimme. Für weitere Informationen über Haifang und  Projekte diesen zu stoppen, besucht die Internetseite von der Artenschutzorganisation SHARKPROJECT http://www.sharkproject.org .

 

 

 

 

Quellenangabe:

https://www.tauchen.de/umweltschutz/haifang-vom-jaeger-zum-gejagten/

https://www.tauchen.de/tauchwissen/biologie/aufgedeckt-spanien-ist-umschlagplatz-fuer-haiflossen/

https://www.sharkproject.org

Plastikflut

Das Plastik Problem ist allgegenwärtig. Soziale Medien, Werbung und Dokumentationen weisen auf die verheerenden Folgen des Plastikkonsums hin und ermutigen einen, sein Einkaufsverhalten zu ändern und so zum Umweltschutz beizutragen.

Seit den 1970er Jahren ist Plastik in unseren Ozeanen ein Problem und seit dem steigt der Konsum und somit auch der Müll weiterhin, ohne dass dagegen viel unternommen wurde.

Im letzten Jahr sind über eine Millionen Vögel und mehr als eine halbe Millionen Meeresbewohner an Plastik gestorben. Die Todesursachen sind unterschiedlich. Einige Tiere verhungern elendig mit vollen Mägen, da Plastik den Verdauungsapparat verstopft,viele Vögel können aufgrund dieser „vollen“ Mägen, nicht einmal mehr fliegen. Meeressäugetiere verfangen sich in alten Fischernetzen, ertrinken oder erleiden schwere Verletzungen bei Befreiungsversuchen, an denen sie schließlich sterben.

Doch woher kommt all das Plastik? Wie gelangt es ins Meer? Die Hauptursache für die unermesslich große Menge Plastikmüll ist die kommerzielle Fischerei. Fast die Hälfte der 79.000 Tonnen Müll, im größten Müllstrudel der Welt, dem Great Pacific Garbage Patch, bestehen aus Fischernetzen. Gerade diese Netze und Leinen sind für die Meeresbewohner besonders gefährlich, da sie sich darin verfangen können und einen langsamen, qualvollen Tod erleiden. Außerdem landet Müll über Flüsse, die dem Meer zufließen, über Wind und illegales Abladen in den Ozeanen und an den Küsten. Wenn wir so weiter machen, wird es in etwa 20 Jahren mehr Plastik als Fische im Meer geben.

Natürlich wurden auch wir, auf unser Reise Zeuge des Plastik Problems. Ehrlich gesagt überall und rund um die Uhr. Gerade die Strände waren erschreckend, aber auch der Plastikkonsum vieler Leute war nach genauerem Hinsehen eine Katastrophe. Meiner Meinung nach hätten jegliche Einweg Plastikartikel schon längst allgemein verboten werden sollen, aber von der Regierung ist da leider nicht viel zu erwarten. Wir müssen als Konsumenten bewusster und vor Allem kritischer werden. Denn wo keine Nachfrage ist, entsteht auch kein Angebot.

Wir gestalten unseren Alltag schon lange plastikarm, gehen im Unverpacktladen einkaufen, Kaufen Milchprodukte in Mehrweggläsern und achten darauf ausschließlich biologisch abbaubare Seifen zu benutzen, die dementsprechend kein Mikroplastik enthalten.

Doch auf dieser Reise haben wir gemerkt, dass es nicht ausreicht, nur seinen eigenen Plastikkonsum zu verringern. Also haben wir es uns zur Aufgabe gemacht jeden Morgen Müll zu sammeln, egal wo wir waren. An den Stränden war es jedoch leider so, dass wir nach zwei Stunden sammeln, zwei- drei große Müllsäcke voll hatten, aber die zehnfache Menge immer noch am Strand lag und nach jeder Flut, neues Plastik hinzu kommt.

Wir waren fast immer allein unterwegs und haben die Strände so gut es ging saubergemacht. Der Versuch mit den Einheimischen Kontakt aufzunehmen und sie zum Plastik sammeln zu motivieren, ist häufig gescheitert. Die meisten hatten die Ausrede, dass im Mai ein städtischer Räumungstrupp kommt und die Strände vor der Touristensaison von Müll befreit. In den übrigen 6 Monaten, an denen keine Touristen in der Gegend sind, erstickt der Strand im Müll und unzählige Tiere sterben daran.

An der nordspanischen Atlantikküste, in Kantabrien, sind uns an den Stränden vermehrt kleine Plastikpellets zur Herstellung von Kunststoffartikeln aufgefallen. Nach einiger Recherche sind wir auf zwei Fabriken in der Gegend gekommen, die diese Pellets verwenden und dementsprechend auch für ihr Vorkommen im Meer und an den Stränden verantwortlich sein müssen.

Wir konnten es kaum glauben und haben deshalb mit dem verantwortlichen Bürgermeister Kontakt aufgenommen. Wir haben bis heute keine Antwort von ihm bekommen.

Nach 6 Monaten auf Reisen waren wir überzeugt, dass es keinen plastikfreien Strand mehr gibt.

Oft ist man überwältigt von all den Problemen und glaubt daran nichts ändern zu können, aber wir müssen! Auf unsere Regierungen, auf irgendwelche greenwashing Siegel und angeblich nachhaltigen Konzerne können wir uns nicht verlassen. Wir müssen selbst aktiv werden! Wir müssen Menschen aufklären, denn nur wer über diese Missstände weiß, kann bewusst etwas daran ändern. Gemeinsame Aktionen wie Beachcleanups, Vorträge oder Spendenaktionen stärken Gemeinschaften und ermutigen mehr Leute sich zu beteiligen.

Portugal- Neues Jahr, neues Glück?

Wir sind nun schon seit 6 Wochen in Portugal und haben das Glück in dieser brenzlichen Lage, bestehend aus Lockdown, Corona Maßnahmen und Camping Verboten, unseren Bus auf dem Grundstück von Freunden parken zu können.

Vor über drei Jahren, haben sich die zwei Familien, bestehend aus 6 Erwachsenen und 2 Kindern, dazu entschlossen ihr altes Leben in Deutschland aufzugeben und es gegen 3h Wald  an der Westalgarve einzutauschen. Auch sie sind damals aufgebrochen, um ein lebenswerteres Leben, jenseits der 40-Stunden Woche zu führen. Sie haben ihren Traum und ihre Visionen verwirklicht, ihr Land gestaltet, ihre Häuser selbst gebaut und sich ein autarkes und freies Leben geschaffen.

Wir haben sie in den letzten Jahren schon mehrmals besucht, doch leider immer mit viel zu wenig Zeit. Dieses Mal wollen wir uns mehr Zeit nehmen, um den Ort, die Umgebung und die Menschen besser kennen zu lernen.

Leider sind die Bedingungen, für freies und spontanes Reisen momentan äußerst schlecht. Als wir am 22. Dezember in Portugal ankamen, war die „Corona Lage“ noch relativ entspannt, alle Geschäfte und auch Bars und Restaurants hatten geöffnet. Wir konnten noch ein geselliges Weihnachten feiern und sind mit großen Plänen und Visionen in das neue Jahr gerutscht.  Doch in kürzester Zeit veränderte sich die Lage drastisch. Durch die britische Virusmutation, stiegen die Zahlen  rasant und mittlerweile hat Portugal die weltweit höchste Infektionsrate.   Das soziale Leben ist bis auf ein Minimum runtergefahren und auch wir haben seit unsere Ankunft den Bus nicht mehr bewegt. Wir haben uns gemeinsam mit den Anderen dazu entschlossen, in eine Quarantäne zu gehen um uns und andere zu schützen.

Unsere Reisepläne sahen eigentlich anders aus. Wir wollten von Strand zu Strand fahren, jeden Tag surfen und einfach mal das Leben genießen. Doch das müssen wir wohl oder übel erst mal aufschieben und das beste aus der momentanen Situation machen.

Es kann endlich weiter gehen…

Seit über einem Monat sind wir nun schon in Hossegor und können nicht weiterfahren, da unser Getriebe den Geist aufgegeben hat. Nach einigem hin und her, blieb uns keine andere Lösung, als ein generalüberholtes Getriebe aus Deutschland zu ordern. Dies ist vor vier Tagen endlich bei uns eingetroffen.

Leider wollte uns keine Werkstatt in der Umgebung helfen, das Getriebe einzubauen, also mussten wir uns mal wieder selbst an etwas wagen, von dem wir eigentlich nicht besonders viel Ahnung hatten. Zum Glück hatten wir viel Zeit um zu recherchieren, wie es am besten gemacht wird. Dabei ist uns aber leider auch aufgefallen, dass man allerlei Spezialwerkzeuge und auf jeden Fall einen Getriebewagenheber (noch nie vorher davon gehört) braucht, um das 150 Kilo schwere Getriebe in die richtige Position zu bringen. Nun gut, damit konnten wir nicht dienen, geschweige denn es irgendwo auftreiben. Also mussten wir improvisieren.

 

Das Getriebe wurde bei uns mit einem, vom Surfshop nebenan geliehenen Hubwagen auf Position gebracht. Leider reichte dieser höhentechnisch nicht ganz aus, weshalb wir das ganze, Stück für Stück mit Holz unterfüttern mussten. Sobald die Richtige Höhe erreicht war, musste das 150 Kilo schwere Ding auch noch irgendwie in die Aufnahme vom Motor geschoben werden. Mit Ach, Krach und jeder Menge Allzweckfett, flutschte das Getriebe in Richtung Motor. Wie immer sind Julian beim Einbau noch so einige Sachen aufgefallen, die auch dringend erneuert werden müssen.

Nach drei Tagen nervenaufreibender und kräftezehrender Arbeit, haben wir es geschafft den Bus wieder ans laufen zu bringen.

Heute ist bereits der 18.Dezember und unser Ziel ist es Weihnachten mit Freunden in Portugal zu feiern. Eigentlich wollten wir die Strecke dort hin entspannt fahren, viele Pausen machen und uns an der Atlantikküste von Strand zu Strand hangeln.

Daraus wird wohl leider nichts mehr!

Wir müssen bis Weihnachten noch 1300 Kilometer hinter uns bringen und das mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 75 kmh. Dementsprechend haben wir uns dazu entschlossen, die kürzeste Route zu nehmen. Diese Route führt durch das spanische Inland und kann sehr trostlos werden, da es eine der größten Agrarwüsten ist, die ich bisher gesehen habe.

Hossegor – Lockdown, Surfen und Getriebeschaden

Unser nächstes Ziel war Hossegor, ein kleiner Ort im Süden Frankreichs, unmittelbar an der Atlantikküste. Hossegor war früher ein eher unbekanntest Seebad, ist jedoch vor einiger Zeit zum Mekka der Surf-Industrie geworden. Im Sommer ist das kleine Städtchen voll mit Touristen, auch die Strände sind überfüllt, sodass das Surfen eher weniger Freude bereitet. Im Herbst, nach der ASP Worldtour, auf der die Surfer ihren Weltmeister ermitteln, wird es schlagartig ruhig. Diese Gelegenheit, auch gute Wellen und leere Strände, wollten wir uns nicht entgehen lassen.

Kurz bevor wir Hossegor erreichten, machte jedoch unser Getriebe schlapp! Die Gänge wollten nicht mehr reingehen und mit Ach, Krach und 20 kmh kamen wir doch noch Nachts in Hossegor an.

Uns war klar, dass wir mit diesem Getriebe keine 2 Kilometer mehr fahren konnten, geschweige denn, bis nach Portugal.

Eine Art Mechaniker, der mit uns das Getriebe ausgebaut hat war schnell gefunden und zu unserem Glück war eine der zwei Vertragswerkstädten in Frankreich, in Bordeaux, also gar nicht so weit weg. Also ist Julian mit einem Mietwagen und dem ausgebauten Getriebe, nach Bordeaux gefahren, in der Hoffnung, dass es dort repariert werden kann.

 

3 Tage später stellte sich heraus, dass die Werkstatt in Bordeaux für unser Getriebe keine Ersatzteile beziehen kann. Das war ein Problem!

Wir wussten zu dem Zeitpunkt zwar schon, dass es in Deutschland ein generalüberholtes Getriebe gibt, dieses kostet aber 6000€ und das würde unsere Reisekasse ganz schön plündern.

Wir überlegten hin und her. Entweder wir bleiben die nächsten 6 Monate in Hossegor und warten auf Ersatzteile, oder wir geben ein heiden Geld für ein neues Getriebe aus.

Wir entschieden uns dafür, dass Getriebe aus Deutschland zu nehmen und warten nun darauf, dass es hier ankommt und wir es einbauen können.

Wir sind nun schon seit über zwei Wochen in Hossegor,konnten die Zeit aber gut dafür nutzen um unsere Surfkünste etwas aufzufrischen und ein paar Sachen am Bus auszubessern.

Abfahrt…

Anfang November war es endlich soweit, die letzten Sachen wurden gepackt, die liebsten Menschen noch mal fest gedrückt und dann hieß es, auf in den Süden!

Wir fuhren über den Odenwald, in den nördlichen Schwarzwald und blieben drei Tage dort. Wir mussten erst mal runterkommen, den Stress der letzten Monate zurücklassen und für eine Weile einfach nur SEIN.

Wir unternahmen einige, längere Wanderungen, gingen Pilze sammeln und genossen den Herbst in seiner schönsten Pracht. Da uns der Wald gerade so gut tat, beschlossen wir noch einige Orte im südlichen Schwarzwald zu erkunden, bevor es weiter nach Frankreich geht.

Die Maßnahmen, aufgrund der Corona Pandemie, sind in Frankreich derzeit sehr streng, deshalb versuchen wir das Land so zügig wie möglich zu durchqueren.

Zuhause im Bus

Letztes Jahr um diese Zeit, hatten wir eine Liste nach der anderen auf unserem Küchentisch liegen. Immer wenn wir etwas erledigt, verkauft, verschenkt oder entsorgt haben, konnte etwas durchgestrichen werden. Heute gibt es zum Glück nur noch eine Liste mit Orten, die wir bereisen möchten.

Nach 14 Monaten harter Arbeit, mit einigen Nervenzusammenbrüchen und Freudentränen, sind wir im Mai endlich in den Bus eingezogen. Die Zeit der Baustelle war ziemlich hart, da Julian gleichzeitig sein Anerkennungsjahr zum Erzieher machte und somit immer nur am Wochenende oder abends am Bus arbeiten konnte. Ich konnte zwar einiges vorbereiten und organisieren, aber für viele Sachen brauchte es Julian’s „Know how“. Zu dieser Zeit war zwar noch lange nicht Alles fertig, aber wir wollten so schnell wie möglich umziehen, um wertvolles Geld zu sparen, welches wir für die Miete einer Wohnung ausgaben, in der wir uns eigentlich nur zum schlafen aufhielten. Mit dem Einzug in den Bus fühlten wir uns viel freier und selbstbestimmter. Es ist unser erstes Zuhause, dass nur uns gehört, und welches wir mit unseren eigenen Händen gebaut haben. Alle Systeme und Prozesse im Bus verstehen wir und können sie somit auch immer noch optimieren oder im Falle eines Schadens reparieren. Genau davon haben wir immer geträumt und mit unseren Freunden lange Gespräche am Feuer geführt.

Das wir jedoch so schnell den Entschluss fassen, unser altes Leben hinter uns zu lassen und unsere Träume zu erfüllen, damit hätte damals keiner gerechnet

– noch nicht mal wir.

Operation Hochdach

Manu lebt nun schon seit einer ganzen Weile in seinem Düdo. Leider hat sein Bus aber keine Stehhöhe, was das Raumgefühl und die Bewegungsfreiheit stark einschränkt.

Dies soll sich nun endgültig ändern!

Der Düdo kriegt jetzt ein Hochdach.

Das Dach hat Manu gebraucht gekauft und in liebevoller Kleinarbeit wieder aufgearbeitet. Gemeinsam haben wir dann sein altes Dach abgeflext, den Rahmen des Hochdachs verschweißt und das GFK Dach mit Unmengen von Karrosseriekleber verklebt.

 

Ein neues Projekt

 

Langsam werden wir mit dem Ausbau von unserem Schulbus fertig und schon kommt das nächste Projekt. Bei diesem VW T3 hat eines Nachts aus unerklärliche Gründen, die Batterie angefangen zu brennen und große Teile des Motor’s, sowie der Innenraum des Busses wurden zerstört. Unsere Aufgabe ist es nun dieses Schätzchen wieder herzurichten und zurück auf die Straße zu bringen.

Als erstes haben wir alle Sachen, die nicht mehr zu gebrauchen waren rausgerissen, um uns einen Überblick zu verschaffen. Da der Motor von dem Feuer ganz schön in Mitleidenschaft gezogen wurde, haben wir uns dazu entschlossen, ihn auszubauen und zu einem Motorinstandsetzer zu bringen.

Nun hatten wir Zeit um uns um die Karosserie zu kümmern. Der Lack ist an vielen Stellen verbrannt und einige Bleche haben sich durch die Hitze verzogen. Dementsprechend haben wir die Karosse ausgebeult, Rost behandelt, teilweise bei gespachtelt und lackiert. Einen neuen Unterbodenschutz haben wir an den nötigen Stellen auch wieder aufgetragen.

Die Heck-, sowie die rechte Seitenscheibe sind durch das Feuer gesprungen, dementsprechend haben wir sie samt neuen Dichtungen ersetzt. Den Innenraum des Bullis haben wir mit 4mm Pappelsperrholz verkleidet und die nötigen Anbauteile erneuert.

Der Motor wurde zwar Instand gesetzt, aber es musste noch einiges geschehen, damit er wieder ans Laufen kommt. Die gesamte Elektrik, alle Wasser- Öl- und Dieselschläuche und jegliche Dichtungen und Motoranbauteile mussten erneuert werden.

Nach 2 Monaten Arbeit ist es soweit. Der Bulli ist wieder straßentauglich und sein Besitzer überglücklich.

Wasserversorgung

Eine frische und funktionierende Wasserversorgung ist wohl eine der essenziellsten Sachen, die ein Mensch benötigt.

Da wir regelmäßig fern ab von der Zivilisation und fließendem Wasser sein werden, haben wir zwei je 150 Liter Frischwasser-Tanks verbaut. Die beiden Tanks sind miteinander verbunden und werden direkt von außen befüllt. Mit diesen 300Litern kommen wir bei einem normalen Verbrauch 7-8 Tage aus.

Auf unseren früheren Reisen waren wir in einigen Ländern darauf angewiesen, Trinkwasser in Flaschen oder Kanistern zu kaufen, da das örtliche Leitungswasser keine Trinkwasser-Qualität hatte.

 

Wasserfilter

Um dieses Szenario zu vermeiden und autark bei Trinkwasserversorgung zu sein, haben wir uns dazu entschieden, einen Wasserfilter von der Marke Famous Water zu verbauen. Der Water-Jack fresh assembly 4h besteht aus zwei Keramik- und zwei Aktivkohlefiltern.

Die Keramikfilter wirken ähnlich wie ein Sieb. Bestandteile die zu groß sind, bleiben darin hängen und alles was klein genug ist, fließt durch.

Die Maschenweite unseres Keramikfilters hat 0,2 Mikron, damit können so ziemlich alle festen Bestandteile zurück gehalten werden, die uns krank machen. Stoffe die im Wasser gelöst sind, wie schlechter Geschmack oder Chlor, kann der Keramikfilter jedoch nicht zurück halten.

Für diese Stoffe ist der Aktivkohlefilter zuständig. Er bindet die gelösten Stoffe aus dem Wasser an sich und reduziert zusätzlich den Gehalt an Blei und Schwermetallen.

Mit diesem Wasserfilter könnten wir aus dem nächsten Tümpel tanken und Trinkwasser generieren.“

Um das Wasser durch das engmaschige Material des Keramikfilters zu befördern, wird genug Druck benötigt. Eine normale Pumpe mit ca. 2 Bar ist dafür nicht stark genug, deshalb haben wir uns für eine stärkere Pumpe mit 4,8 Bar der Marke Japsco entschieden. Da die meisten Geräte jedoch nicht mit einem, so starken Druck kompatibel sind , braucht man noch einen Druckminderer. Dieser mindert in unserem Fall den Druck auf 2,5 Bar, sodass unser Warmwasserboiler schonend betrieben werden kann.

 

Warmwasserversorgung

Für warmes Wasser haben wir einen 20 Liter Boiler der Marke Elgena. Dieser wird entweder durch 230 V über unsere Solaranlage betrieben oder mit einem integrierten Wärmetauscher. Der Wärmetauscher ist durch eine Kupferspirale mit unserem Holzofen verbunden, sodass wir im Winter unser Duschwasser auch mit Hilfe des Holzofens erhitzen können.

Die gesamte Wasserinstallation ist unter unser Bett gebaut, um den Platz bestmöglichst zu nutzen.

 

Möbelbau

 

Bei allen Wohnmobil-Ausbauten die wir bisher gemacht haben, war uns immer wichtig, dass sie praktisch sind, hübsch aussehen und mit möglichst nachhaltigen Materialien gebaut werden.

Dementsprechend  versuchen wir so wenig wie möglich neu zu kaufen und recyceln wo wir können. Da wir in dem Schulbus ca 15qm Wohnraum zu Verfügung haben, konnten wir für den Ausbau viele unserer Möbel verwenden. Wir mussten einiges umbauen, oder zweckentfremden. So wurde eine alte Kommode zu einem Waschtisch, ein Teil eines Kleiderschranks zu unserem Sofa und Puppenschränkchen dienen als Oberschränke in der Küche.

 

Wohnküche

Wenn man unseren Bus über die Veranda betritt, steht man direkt in einer gemütlichen Wohnküche, in der man kochen, spülen, auf dem Sofa abhängen, essen, vor dem Kamin sitzen, arbeiten und noch eine Menge anderer Sachen machen kann.

Gekocht wird bei uns auf einem englischen Emaille Gasherd aus den 60er Jahren, dieser ist das Highlight der Küche und leistet trotz seines hohen Alters treue Dienste.

 

 

Eigentlich ist unser Spülbecken für ein „Standard-Wohnmobil“ zu groß und viel zu schwer. Aber da wir uns noch nie wirklich an Standards gehalten haben, konnten wir auch mit guten Gewissen eine 20 Kilo schwere Keramik Spüle mit zwei Becken einbauen. Diese ist unheimlich praktisch, um dreckiges Geschirr zu sammeln und zum Wäschewaschen eignet sie sich auch.

 

Beim Thema Kühlschrank sind wir der Marke „Engel“ treu geblieben. Wir haben die Kühlschränke und Boxen vor fünf Jahren in Australien kennengelernt und sind seitdem von ihrer Leistung und Qualität überzeugt. In unserem VW Bus hatten wir die Engel MT-45-FS Kompressor Kühlbox verbaut.

Der Vorteil einer Kühlbox ist der geringe Stromverbrauch, weil die Kälte beim Öffnen nicht „rausfällt“. Mich hat es aber immer gestört, die Sachen die man brauchte, von ganz unten herausfischen zu müssen.

Deshalb haben wir uns diesmal für einen Kühlschrank mit 80l Fassungsvermögen und Gefrierfach entschieden.

 

 

Badezimmer

In unserem Badezimmer mit ganzen 1,2 qm, haben wir eine Trenntoilette und eine Dusche eingebaut. Wir haben uns aufgrund des Gewichts gegen Fliesen in der Duschkabine entschieden, stattdessen haben wir die Wände in Betonoptik verputzt und mit 3 Schichten Bootslack versiegelt.

-Mal sehen, wie lange es hält.

Damit die Feuchtigkeit besser abziehen kann haben wir zusätzlich ein Dachfenster eingebaut.

 

Schlafzimmer

Uns war es sehr wichtig ein festes Bett zu haben, sodass man sich, ohne etwas aufzubauen, auszuziehen oder umzuklappen einfach hinlegen kann, wann immer man möchte.

Als Auflage des Bettes dient eine alte Werkstatt Kommode, die gleichzeitig unser Kleiderschrank ist  und ein mit der Wand verschraubter Balken. Das Lattenrost lässt sich samt Matratze hoch klappen, um in seltenen Fällen an die Wasserinstallation zu kommen. Unter dem Bett befinden sich nämlich zwei 150 Liter Wasserkanister, ein Warmwasserboiler, eine Druckpumpe, ein Druckausgleichbehälter, ein 4- Kartuschen Wasserfilter und zwei Akkus für die Solaranlage.

 

Trenntoilette

Eine Trenntoilette ist eine sehr umweltfreundliche Variante, seine Geschäfte zu erledigen, da weder Chemie noch Wasser gebraucht wird. Bei einer Trenntoilette wird, wie der Name schon sagt, Flüssiges vom Festen getrennt.

Durch einen speziellen Trenneinsatz wird das Pipi durch den vorderen Teil in einen Kanister geleitet. Alles Feste fällt im hinteren Teil in einen Behälter, in den man nach jedem Stuhlgang eine Hand voll Holzspäne oder Erde streut. Dies entzieht den Feststoffen die Feuchtigkeit und verhindert so üble Gerüche. Um geruchsmäßig auf Nummer sicher zu gehen, haben wir zusätzlich einen Luftschacht gelegt, um Gerüche nach draußen zu leiten.

Wir haben unsere Trenntoilette mit einem Trenneinsatz, der Firma Kildwick  gebaut. Er ist so konzipiert, dass er für Männer und Frauen gleichermaßen gut und sauber funktioniert. Durch die Fertigung aus hochwertigem, robustem und zugleich recyclebarem Polystyrol hat der Kildwick Urinabscheider extrem glatte Oberflächen, auf denen Keime und Bakterien keinen Nährboden finden. Dies erleichtert vor allem die Reinigung.

Warm durch den Winter

Da wir ganzjährig im Bus leben werden und in unterschiedliche Klimazonen reisen, ist ein ausgeklügeltes Heizsystem eine gute Voraussetzung.

Wir haben uns für eine Kombination aus einem kleinen Speicherofen (Gusseisen) mit Frischluftzufuhr und einer Fußbodenheizung mit 2 Heizkreisen entschieden.

Eine Standheizung wäre natürlich die einfachere Variante gewesen, aber wir wollen eine Heizung, die wir mit nachwachsenden Rohstoffen, in diesem Fall Holz betreiben können und nicht mit Gas oder Benzin/Diesel. Bei der Fußbodenheizung hatten wir einen klaren Mehraufwand bei der Installation. Wir mussten Fugen in die Bodendämmung fräsen, die Leitungen möglichst eng in die Fugen legen, einen Heizkreisverteiler installieren, einen 60 Liter Boiler als Wärmespeicher anbringen, und und und…

So kamen wir  nicht nur zu einem Mehraufwand, sondern auch zu einem deutlichen Mehrgewicht. So hat halt jeder seine Prioritäten.

Neben dem nachhaltigkeits Faktor, hat dieses Heizsystem den weiteren Vorteil, das es auch unser Dusch/Brauchwasser erhitzen kann. Durch die Kupferspirale, die sich um das Ofenrohr windet fließt das Wasser aus dem Boiler und wird somit erwärmt. Dadurch, dass der Boiler höher platziert ist, als der Ofen fließt das Wasser ganz ohne Pumpe. Nur durch die natürlich Konvektion steigt das erhitzte Wasser,  aufgrund seiner geringeren Dichte im Boiler nach oben, während gleichzeitig das kältere Wasser aus dem Boiler in einer anderen Leitung abwärts zum Ofenrohr sinkt.

 

 

Das erhitzte Wasser wird mit Hilfe einer Pumpe aus dem Boiler durch die Leitungen der Fußbodenheizung befördert und verteilt somit über den Boden, die Wärme im gesamten Bus. Nachdem es den Boden durchlaufen hat, kommt das erkaltete Wasser wieder im Boiler an und fließt aufgrund seiner größeren Dichte direkt zum Ofenrohr, um dort erhitzt zu werden.

Es besteht ebenfalls die Möglichkeit unser Dusch-/Brauchwasser zu erhitzen. Dafür wird das warme Wasser aus dem Boiler durch den Wärmetauscher in unseren Elektroboiler gepumpt und erwärmt dort die 20l Wasser.

 

Unser Fazit ist: Der Aufwand einen Holzofen und eine Fußbodenheizung in einen Bus einzubauen ist natürlich enorm, aber für unsere Bedürfnisse ist dieses Heizsystem ideal. Und mal ehrlich, was gibt es schöneres, als abends am Kaminofen zu sitzen und in das knisternde Feuer zu schauen?

 

Stromversorgung

Einer der ersten und relevantesten Schritte bei der Planung der PV-Anlage war es, ein Jahresprofil von unserem vermeintlichen Stromverbrauch zu erstellen. Dafür haben wir die Nennleistung (Watt) und die jeweilige Einschaltdauer unserer Verbraucher im Tagesverlauf, mit Rücksicht auf die verschiedenen Jahreszeiten notiert. Wenn man dann die Anzahl der Verbraucher mit Leistung und Betriebszeit multipliziert, erhält man den Energieverbrauch in Wattstunden.

Zum Beispiel: 4 Energiesparlampen verbrauchen je 10 Watt und sind täglich 5 Stunden in Betrieb.

4x10x5= 200 Wattstunden

Nachdem wir unseren ungefähren Strombedarf ermittelt haben, mussten wir für die richtige Wahl der Batterien und des Wechselrichters noch die maximal Belastung herausfinden. Wie viel Watt verbrauchen wir, wenn fast alle Geräte gleichzeitig eingeschaltet sind?

Dadurch, dass wir im Winter unser Wasser mit dem wassergeführten Holzofen erhitzen und nur im Sommer, wenn genug Strom zur Verfügung steht, den elektrischen Heizstab im Boiler einschalten, ist unser Stromverbrauch relativ gering. Auch die maximale Belastung wird nicht allzu hoch sein, da wir hauptsächlich Akkugeräte haben.

Dennoch wird unser Bus selten die Bekanntschaft mit einem Landstrom-Anschluss machen, da unsere Ziele eher abgelegene Orte fern von Campingplätzen sind. Dementsprechend muss unsere Stromversorgung in jeder Lebenslage komplett autark funktionieren.

Der Winter, oder  schlechtes Wetter, bei dem die Sonne sich für einige Tage verweigert, ist nicht wirklich zu vermeiden. Um für diesen Fall gewappnet zu sein, müssen wir die nötige Energie speichern. Dafür  haben wir zwei Victron Energy 12V 220Ah Deep CycleGel Batterien verbaut. Diese Batterien sind langlebig, leistungsstark und gasen nicht aus. Ein Lithium Akku wäre natürlich leichter gewesen und man hätte ihn tiefer entladen können, aber die leichte Entflammbarkeit, der zerstörerische Abbau und die fehlenden Recyclingmethoden, haben uns abgeschreckt.

Auf unserem Dach befinden sich 6 Solarmodule mit je 240 Watt. Diese sind  in zwei Strings aufgeteilt, um auch bei einer Teilverschattung des Daches noch Energie zu gewinnen. Die gewonnene Energie wird von 2 Solarladereglern gemanagt und in die Batterien eingespeist.

Die zwei 12 Volt Batterien sind in Serie geschaltet, sodass ein Bordnetz von 24 Volt entsteht. Mit einer Spannung von 24 Volt ergibt sich ein dünnerer Kabelquerschnitt im DC Bereich, als bei einem 12 Volt Netz, was wiederum Platz und Geld einspart.

Da wir in unserem Bus aber eine Elektrik wie im Haus haben wollen, um in der Lage zu sein, normale Lampen, Steckdosen und andere Geräte zu verwenden, brauchen wir einen Wechselrichter, der den Gleichstrom in Wechselstrom umwandelt (bzw. die Spannung von 24 auf 220 Volt transformiert).

Nun muss die Elektroinstallation noch entsprechend abgesichert werden. Falls es mal zu einem Kurzschluss kommt, brennt lediglich die Sicherung durch und nicht das Kabel.

Bei einem 220 Volt Netz ist ebenfalls ein Personenschutz erforderlich. Der FI-Schalter hat die Aufgabe, einen elektrischen Verbraucher innerhalb von 0,2 s  auszuschalten, falls dieser einen Fehler vorweist und eine für Personen gefährliche Berührungsspannung entsteht.

Eine professionelle Elektroinstallation und die damit verbundene Absicherung, ist uns sehr wichtig, da es im Zweifelsfall um unser Leben gehen kann. Deswegen haben wir dieses Projekt Stück für Stück mit einem Fachmann der Firma „Green Akku“ besprochen und es vor dem Gebrauch von einem Elektriker abnehmen lassen.

Die Fußbodenheizung

Mittlerweile war es Januar und die Dämmung hatten wir endlich erledigt!

Doch bevor wir die Wände verkleiden und den Fußboden verlegen konnten, mussten wir noch so einige Leitungen verlegen…

Zu allererst haben wir uns die Leitungen für die Fußbodenheizung vorgenommen (klingt dekadent aber letztendlich ist es ein verhältnismäßig günstig und ziemlich nachhaltiges Heizsystem). Um das Alu-Verbund Rohr stabil und effektiv im Boden zu verlegen, haben wir mit der Oberfräse die Spur, in der das Rohr liegen soll in das Styrodur gefräst. Nun wurde das Rohr so in die Spur gezwängt, dass es ungefähr einen Millimeter herausragte, damit es nachher den Dielenboden direkt berührt, um eine maximale Fußwärme zu erreichen.

Mit dem restlichen Alu-Verbund Rohr haben wir die Wasserleitungen in Dusche und Küche verlegt.

Der nächste Schritt war es sämtliche Stromleitungen zu verlegen. Ein Thema welches mir nicht besonders liegt, aber zum Glück hat Julian genügend Erfahrung und Kenntnisse und behielt trotz all den Kabeln immer den Überblick. Wir verlegten 2,5 Quadrat, feinadrige Leitung für 13 Steckdosen und 3 Lichtschalter quer durch den Bus.

Wir haben die Kabel in Schutzrohre gelegt, um sie vor äußeren Einflüssen zu schützen.Um sie  unempfindlich gegen Vibrationen zu machen, haben wir sie zusätzlich  in regelmäßigen Abständen, mit Klemmen befestigt.

Die Dämmung

Wir haben mehrere Wochen damit verbracht, den Bus vernünftig abzudichten. Es tropfte an so vielen Stellen rein, dass wir garnicht herausfinden konnten, wo genau das Wasser herkommt, deshalb haben wir uns dazu entschieden, jede einzelne Fuge und Niete mit Karosseriekleber abzudichten.

Nach einem bestandenen Test mit dem Kärcher, ging es nun darum den Innenraum langfristig vor Rost zu schützen. Mit Ovatrol, Pellox und speziellen Rostschutzlacken haben wir den gesamten Innenraum bearbeitet, um bestehenden Rost zu entfernen und die Karosserie auch in Zukunft beständig gegen Rost zu machen.

 

Mittlerweile war es schon November und fing nachts an zu frieren, sodass auch im Bus Eiszapfen von der Decke hingen. Wenn man morgens den Ofen anmachte, um eine einigermassen angenehme Temperatur zum Arbeiten zu haben, taute natürlich das Eis und der gesamte Bus war klitschnass. So konnte es auf keinen Fall weitergehen! Wir mußten dämmen…

Bekanntlich ist es so, dass, wenn kalte Luft auf warme Luft trifft, eine Kondensation entsteht, die wir natürlich auf keinen Fall wollen, da sonst unser Bus zu einer Tropfsteinhöhle wird. Also müssen wir mit Hilfe der Dämmung den Taupunkt nach außen verlagern. Klingt erstmal ganz einfach…

Ich hätte sehr gerne mit natürlichen Materialien wie Holz- oder Schafwolle gedämmt, aber diese eignen sich für Stahlwände leider nicht besonders gut, weil sie Wasser aufnehmen und somit die Karosse rostet und unser Holzausbau modert. Dementsprechend mussten wir leider Dämmung aus Kunsttoff verwenden. Glücklicherweise haben wir die Dämmmatten aus Polyethylenschaumstoff, auch bekannt als Trocellen, als Abfallprodukt einer Firma kaufen können. Dabei handelte es sich um Matten, die schmutzig und teilweise beschädigt waren. Das war uns aber völlig egal. Die nächsten drei Wochen haben wir damit verbracht das Trocellen mit Pattex Kraftkleber (stinkendes Teufelszeug) an den Wänden und der Decke anzubringen.

Wir haben insgesamt drei Lagen gedämmt, was ungefähr 4 cm entspricht. Nach den Wänden kam der Boden! Den Boden wollten wir mit Styrodur dämmen und haben lange nach gebrauchtem Styrodur gesucht, aber nie genug gefunden. Bis uns aufgefallen ist, dass das Kühlhaus auf unserem Grundstück, welches sowieso abgerissen werden soll, mit 8cm Styrodurplatten gedämmt ist. Diese haben wir direkt weiterverwendet und unseren Boden gedämmt…

 

Das Dach muss höher!

Schon bevor wir den Schulbus gekauft haben, wussten wir, dass wir keine andere Möglichkeit hatten, als das Dach zu erhöhen. Julian konnte bei einer Höhe von 185 cm im Innenraum nicht aufrecht stehen und das ist wohl mit das Wichtigste für ein angenehmes Leben im Bus. Ich hatte es etwas schwerer mich mit dem Gedanken anzufreunden, den Bus rundherum aufzuschneiden, das Dach mit Wagenhebern und Baustützen 30 cm anzuheben, um dann die gekappten Träger wieder zusammen zu schweißen und die nun freien Stellen mit Blechen zu verkleiden. Auch wenn uns viele von unserem Vorhaben abgeraten haben, ließen wir uns nicht davon beeinflussen. Die meiste Zeit steckten wir in die Vorbereitung, gerade weil wir zum ersten Mal ein Dach erhöhten. Es gibt verschiedene Möglichkeiten vorzugehen, aber welche ist für uns die Beste? Sollten wir unter, oder über den Fenstern schneiden, Schweißgerät leihen oder kaufen verzinkten Stahl verwenden oder lackieren, brauchen wir zusätzlich Baustützen, welches Profil sollen die neuen Träger haben und so weiter…. Uns qualmten wirklich die Köpfe und unsere Zeit wurde immer knapper. Es wurde Zeit sich für eine Variante zu entscheiden und diese ist in dem folgenden Video erklärt….


Obwohl es an dem Tag relativ windig war  ist alles reibungslos abgelaufen. Wir haben es zu fünft in einer Stunde geschafft das Dach sicher und gerade 30 cm zu erhöhen und die Hauptträger wieder zu verschweißen. 
Die nächsten Wochen bestanden darin, die nun freien Stellen wieder mit Blechen zu verkleiden. Wir haben uns dazu entschieden die Bleche mit einer Luftdruck Nietzange zu nieten und zusätzlich mit Karosseriekleber abzudichten und zu fixieren. 
Nach vier  Wochen harter Arbeit haben wir es geschafft und die Karosserie nach unseren Vorstellungen verändert.


Alles muss raus!

Da wir nicht die nächsten Jahre 40 Kinder von A nach B kutschieren wollten, war der erste Schritt den Bus komplett zu entkernen.

2 Tage und ca 50 Flexscheiben später, waren alle Sitzbänke draußen. Dadurch entstand gleich ein völlig neues Raumgefühl, wir hatten nun 20 Quadratmeter zur freien Verfügung und fingen natürlich sofort an zu überlegen wie wir den Bus am besten ausbauen….

Die Sitzbänke waren aber erst der Anfang…

Der Fußboden war mit Kautschukmatten beklebt, welche man mit dem Spachtel in mühsamer Arbeit, Fitzel für Fitzel abschaben musste. Als Belohnung bekamen wir immer mehr vom rostigen Boden zu sehen.

Die im wahrsten Sinne des Wortes schwerste Arbeit, war jedoch die Innenverkleidung raus zu reißen, da diese aus einer Tonne Stahl bestand. Puuuuhh, wir wussten wohl, dass die Amerikaner in Sachen Autos auf eine massive Bauweise wert legen, aber dass es so schwer wird hätten wir  nicht gedacht. Nach einigen Fahrten zum Schrottplatz war alles entsorgt und der Tonnen schwere Stahl brachte uns sogar etwas Geld ein.

Nun war der Bus komplett leer und man konnte jegliche Rost- und Schwachstellen sehen. Ein Träger war angerostet, der Boden hat einiges abbekommen und hier und da etwas Rost, aber ehrlich gesagt, hatten wir es schlimmer erwartet.

 

 

Warum haben wir uns für einen amerikanischen Schulbus entschieden?

 

Ehrlich gesagt haben wir uns nicht unbedingt für einen 30 Jahre alten Schulbus entschieden, es hat sich einfach so ergeben. Uns war von Anfang an klar, dass wir ein etwas größeres Fahrzeug haben möchten, als unseren bisherigen VW-T3 Bus. Es kamen verschiedene Modelle in Frage, wobei ein amerikanischer Schulbus schon immer unser Traum gewesen ist. Leider konnten wir uns die Steuern, sowie Kosten für die Verschiffung nicht leisten, deshalb haben wir gar nicht weiter darüber nachgedacht. Doch wie es so oft ist, liegt die Lösung näher als man glaubt. Seit circa 20 Jahren wurde der Schulbus unserer Träume für Vermietungen und Werbezwecke einer Beachsport-Halle, in unserer Gegend genutzt. Wir hatten den Bus schon länger im Auge, aber nicht wirklich damit gerechnet, dass sie ihn verkaufen wollen, aber ein Versuch war es wert. Nach ein paar netten Gesprächen mit dem Besitzer und einiger Bedenkzeit seinerseits, war er wirklich bereit zu verkaufen und somit unser Projekt zu unterstützen. Wir konnten es kaum glauben, wir haben tatsächlich, das Fahrzeug bekommen, von dem wir immer geträumt haben und das auch noch zu einem Preis, den wir uns leisten konnten.

Der Bus war zwar nicht gerade in einem guten Zustand: Der TÜV war seit drei Jahren abgelaufen, es gab einige undichte Stellen und dementsprechend viel Rost, die rechte Seite war samt Fenster mit Graffiti’s besprüht und was mit dem Motor nicht stimmt, wollten wir gar nicht wissen. 30 Jahre haben eben ihre Spuren hinterlassen….

Doch das war uns völlig egal, wir waren voller Tatendrang und legten gleich los.

Wie Alles begann…

Es war im Herbst 2018, als wir uns dazu entschlossen haben unser derzeitiges Leben hinter uns zu lassen, um in einem LKW die Welt zu erkunden. Wir sind schon viel gereist: haben mit unserem VW Bus einige Touren durch Europa gemacht, sind mit dem Zug quer durch Indonesien gefahren und haben ein Jahr lang Australien erkundet. 

Jede Reise war für uns voller positiver Erfahrungen, Veränderungen und Entwicklungen. Es hat uns aber auch vor Augen geführt, dass wir uns mit dem „normalen“ gesellschaftlichen Leben nicht mehr arrangieren können. 

Es war an der Zeit, so zu leben, wie wir immer leben wollten, anstatt im Hamsterrad den selben Tag immer und immer wieder zu erleben.

Wir wollen auf die Suche gehen, nach einem Ort, an dem wir uns wirklich wohlfühlen und vielleicht auch bleiben wollen. Wollen Menschen finden , die ähnliche Ansätze und Visionen haben. Wir haben keine genaue Vorstellung, wo es uns geografisch hinzieht. Wichtig ist nur, dass wir Zeit haben, uns auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren, diese unglaubliche Welt zu erkunden und Erfahrungen zu machen, fernab des hektischen Lebens voller sinnfreier Verpflichtungen.

Der Entschluss war gefasst! Jetzt brauchten wir „nur“ noch einen LKW.